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IR-Heizung für eine Einzimmerwohnung - Probleme
Hallo, Freunde wärmenden roten Lichts,
ich lese schon ein paar Tage in diesem Forum, das mir sehr informativ zu sein scheint. Nun habe ich ziemlich spezielle Frage, zu der ich noch nichts gefunden habe.
Die Rahmenbedingungen: Einzimmerwohnung von 45 m2 in Berliner Altbau, 4 Geschosse, drunter und drüber geheizte Wohngen:
In dieser Wohnung sind z.Z. noch alte Nachtspeicheröfen, wahrscheinlich asbesthaltung. Auf alle Fälle, schlechter Wirkungsgrad, Mordsenergieverbrauch, mehr als 200 kWh/m2 p.a. Das WZ von etwa 22 m2 hat zwei, nicht gut isolierte Außenwände über Eck. Wir wollen die Heizung ersetzen und denken dabei an eine IR-Heizung. Dabei treten zwei zwei Fragen für das WZ auf:
• In diesem Zimmer wohnt tagsüber und schläft nachts die Bewohnerin in einem Hochbett. Das heißt, das Zimmer soll tagsüber, jedenfalls am WE, warm sein und nachts entsprechend kühler.
Geht das überhaupt mit einer IR-Heizung? Soll die nicht weitestgehend mit konstanter Temperatur betrieben werden? Ist die außerdem nicht zu träge für ein einigermaßen schnelles Abkühlen abends? Morgens sollte das eher kein Problem sein, weil sie in einer recht geräumigen Wohnküche frühstückt. In der Zeit kann das WZ warm werden, oder?
• Das zweite Problem sind die beiden nicht gedämmten Außenwände, die wohl auch zu dem hohen Energieverbrauch beitragen. Eine Wärmedämmung außen geht nicht, wir wollen deshalb innen, wie in anderen Wohnungen des Hauses, eine Rigipswand mit Steinwolle als Wärmedämmung vor die Wände setzen.
Macht das Sinn? Fehlt der IR-Heizung da nicht die Wand/das Mauerwerk als Wärmespeicher? Das ist doch eigentlich das Prinzip der IR-Heizung.
Oder sollte man den IR-Strahler auf eine Rigipswand setzen, so dass er die genüberliegende Wand (keine Außenwand, zwar gemauert, aber dünne, nicht tragende Wand) aufheizt?
Was sagen die hier vertretenen Fachleute dazu? Für Tipps wäre ich sehr dankbar.
Grüße aus Berlin
Macalberto
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Profi Benutzer
Hallo Macalberto,
das Problem der Innendämmung mit Rigips ist wirklich gegeben. Vielleicht installierst Du erst einmal die Infrarotheizungen und wirst erkennen, dass die Außenwände erwärmt und entfeuchtet werden. Trockene Wände können schlechter Wärme nach Außen leiten, das ist auch ein positiver Effekt der Infrarotheizung. Negativ ist, wie schon von Dir erkannt, eine Rigipsverkleidung innen, da die Speicherfläche (Wände) dann erheblich weniger gegeben ist.
Die Temperierung der Räume solltest Du mit Raumthermostaten vornehmen. Es ist kein Problem eine Nachtabsenkung einzugeben. Dir Temperaturdifferenz sollte, wie bei jeder anderen Heizung auch, 5°C nicht überschreiten. Dann ist eine schnelle Anhebung der Temperatur kein Problem.
Die Aufheizung von größeren Temperaturdifferenzen spart nicht, sondern kostet unnötig Energie. Da unterscheidet sich die IR-Heizung nicht von anderen Systemen.
Ein gutes Thermostat, das ich oft einsetze ist das Funkthermostat FS20 STR (bitte googeln). Da gibt es sehr komfortable Einstellmöglichkeiten.
Alle Fragen beantwortet?
P.S. kann es sein, dass ich einen Teil der Antworten schon direkt per Mail gegeben habe? Ist ja nicht schlimm, interessiert mich nur.
Ich hoffe ich konnte helfen, Guß Dirk.
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Erstmal danke für deine Antwort. Wie das aber meist so ist, eine Antwort ruft zwei neue Fragen auf, hier aber noch mehr. Dein Beitrag bringt mir zunächst diese grundsätzliche Fragen zum Thema IR-Heizung:
1. Kommt es wirklich nur auf die Speicherfläche an oder auch auf das Speichervolumen, sprich: Spielt die Stärke einer Mauerwand auch eine Rolle?
2. Wenn eine IR-Heizung eine Wand entfeuchtet, wo bleibt dann die Feuchtigkeit? Im Innenraum, muss sie also durch Lüften raus transportiert werden? Ich meine gelesen zu haben, dass das berühmte „Stoßlüften“ dazu nicht geeignet ist. Stimmt das?
3. Oder entweicht die Feuchtigkeit nach draußen, also durch die Wand? Was ist dann, wenn man ein Haus sehr wirksam von außen wärmedämmt, und zwar mit feuchtigkeitsdichtem Schaumstoff, wo bleibt dann die Feuchtigkeit? Doch nach innen? Wie bekommt man die raus, ohne auch Wärme mit rauszuschleudern?
Und ein paar Fragen zur Anbringung von IR-Heizkörpern:
4. Wie „gerichtet“ strahlt ein IR-Heizkörper die Wärme ab? Wird zum Beispiel auch die Wand links oder rechts vom Heizkörper – also um 90 Grad verdreht – erwärmt? Oder wird nur die gegenüberliegende Wand erwärmt? Strahlt diese zurück und erwärmt auch die Wand, an der der Heizkörper hängt?
5. Kann man zwei Heizkörper an gegenüberliegenden Wänden anbringen? Wenn es z.B. aus Platzgründen angesagt ist. und wie nahe darf man an einem Heizkörper länger sitzen, z.B. am Schreibtisch? Sollte man den lieber etwas weiter weg aufhängen?
6. Wenn ich richtig gelesen habe, sollte man die Heizleistung besser auf 2 oder 3 Strahler verteilen. Ist es dann sinnvoll, in der Übergangszeit nur einen Strahler einzuschalten? Der wird doch dann heißer und hat einen höheren Anteil an Strahlungswärme. Richtig? Gibt es Thermostaten, die das von selber machen, also erst einen Heizkörper "hochfahren" und im Bedarfsfall den zweiten/dritten dazuschalten?
7. In der eingangs beschriebenen Einzimmerwohnung befindet sich ein recht großes Hochbett. Wird die Wand über dem Bett – Außenwand – auch warm, oder muss man einen kleinen Strahler so anbringen, dass er die Wärme „oben“ strahlt? Oder sollte man das gerade nicht machen, weil man neben dem Bett es nicht so warm haben will.
Oh je, soviele Fragen. Tschuldigung, aber ich bin noch ein Anfänger in Fragen der IR-Heiztechnik.
Für Tipss immer dankbar grüßt
Macalberto aus Berlin.
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Profi Benutzer
Ich denke Dein Beitrag wird in den nächsten Tagen sicherlich sehr viele Diskussionen hervorbringen, bin mal gespannt.
Zu Deinen Fragen:
zu 1: die Speicherfläche ist sehr wichtig. Mit Speicherfläche meine ich nicht die Fläche an sich, sondern (wie Du richtig meinst) die Beschaffenheit, das Material der Fläche. Glas ist auch eine Fläche, hat aber beinahe 0 Speichermöglichkeit. Ich will nicht technisch werden - es kommt aber auf die Dichte des Materials an in kg je m³. Es gibt aber viele andere Faktoren die wichtig sind. So hat eine ungedämmte Betonwand ein sehr hohes spezifisches Gewicht, aber ist energetisch eine Katastrophe die auch eine IR Heizung nicht beheben kann. Da so etwas zum Glück selten ist, wird die Oberfläche der Wand berücksichtigt (Rigips oder Rauputz...), sowie die unmittelbar angrenzende Beschaffenheit. Eine Vollziegelwand hat ein sehr gutes spezifisches Gewicht, mit Holz verkleidet wird es erheblich komplizierter.
zu 2: die Feuchtigkeit wird nach Innen abgegeben, über mehrere Tage hinweg. Jetzt steigt aber nicht die relative Feucht im Raum auf 90% und alles wird nass, sondern die Abgabe erfolgt langsam und wird durch den üblichen Luftaustausch abtransportiert. Stoßlüften stellt kein Problem dar. Die Wände (Raumumfssungsflächen) werden ja erwärmt, öffnet man jetzt das Fenster wird die Luft ausgetauscht und nicht schlagartig die Wände abgekühlt. Ein großer Unterschied zur Konvektionsheizung, denn dort wird die Luft erwärmt, welche durch das Lüften aus dem Raum entweicht und dann komplett neu aufgeheizt werden muss. Bei IR sind die "Heizflächen" auch die Wände, welche in relativ kurzer Zeit die Luft temperieren. Die warmen Wände heizen die Luft, nicht die Heizung!!
zu 3: habe ich gerade mit beantwortet (hoffe ich)
zu 4: die Infrarotheizung hat einen Abstrahlwinkel von 160° (nicht jede) und erwärmt auch rechts und links mit, wenn auch gering und zu vernachlässigen.
Der eigentliche Effekt ist, dass sich Infrarotstrahlung nicht verliert. Alles was nicht absorbiert (aufgenommen) wird, wird reflektiert (zurückgeworfen).
Vorzustellen wie Licht - wenn ich einen starken Strahler an die Wand hänge beleuchtet er nicht nur die Wand gegenüber, sondern auch neben dem Strahler wird Licht ankommen. So erwärmt die IR Heizung also nach und nach die gesamten Flächen.
zu 5: Du kannst die Heizungen auch gegenüber aufhängen. Infrarotstrahlung ist ähnlich dem Licht, nur eine andere Wellenlänge. Sie bewegt sich auch mit Lichtgeschwindigkeit im Raum, so lange bis alles absorbiert ist. Es wird ja auch nicht dunkler wenn Du 2 Lichtstrahler gegeneinander anstrahlst. Zu beachten ist nur, dass der Raum ausgeleuchtet wird.
Wellenlängen im Infrarot C Bereich gehen auch nicht durch das Fenster (ok, zu einem sehr geringen Anteil).
zu 5 a: wie nahe Du an der Heizung sitzen möchtest hängt von der Heizung ab.
Bei Infrarotheizungen mit Blech kannst Du relativ nahe, an eine Granitheizung würde ich einen Abstand von 2m halten, sonst kann es anstrengend werden.
Das hat mit der Strahlungszahl des Materials zu tun. Der Emissionsfaktor eines idealen Körpers hat die Zahl 5,67 (schwarzer Körper), Blech hat eine Zahl von 0,4 - 1,4 , Glas hat eine sehr gute Zahl von 4,99 und Granit 5,27. Aber auch wenn man eine Blechheizung mit Putz oder so bestreicht, wird sich die Strahlungszahl nicht auf ein Niveau von Glas oder Granit kommen. Wir nutzen übrigens Blech um die Infrarotheizung nach hinten abzuschirmen, ein sehr interessanter Punkt, denn vorn spürt man die Strahlungswärme und auf der Rückseite wird es zwar warm aber eine Strahlung ist nicht zu merken.
zu 6: die Verteilung auf mehrere Heizungen ist sinnvoll, damit (wie oben geschrieben) der Raum optimal "ausgeleuchtet wird). Mehrere Lichter im Raum beleuchten das Zimmer auch besser. Die Anschaltung einzelner Heizungen halte ich nicht für sinnvoll, habe es aber auch noch nicht probiert.
zu 7: das meine ich mit den Antworten auf die Fragen 4 und 5 geklärt zu haben. Also: alle Flächen werden bei richtiger Installation ähnlich erwärmt. Stichwort Licht.
Jetzt los zur Diskussionsrunde, sicher werden andere auch anderer Meinung sein. Hoffentlich bleibt es sachlich.
P.S. sorry hatte den Beitrag zwischendurch abbrechen müssen, danach konnte ich ihn nicht mehr bearbeiten. Daher alles nochmals bis der erste gelöscht ist.
Ich hoffe ich konnte helfen, Guß Dirk.
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Hallo Dirk,
danke für die ausführliche Beantwortung meiner unverschämten Fragenliste.
Ich habe mir mal die Wohnung etwas genauer angesehen und festgestellt, dass die Außenwände ein Mauerwerk von Vollziegeln von 36,5 cm sind, also gar nicht so schlecht. Wenn ich davon ausgehe, dass die IR-Heizung die Wände trocknet und diese dann besser dämmen, könnte sich dein Vorschlag mit 2 St. 600-W-Heizkörpern rechnen. Ich ziehe es ernsthaft in Erwägung.
Ich habe deshalb eine Frage bezgl. des Energiebedarfs und damit der Heizkosten. Wenn Du nochmal so freundlich wärest?
Ich finde überall die Berechnung des jährlichen Energiebedarfs nach unten stehender Formel. In unserem Fall: Ich setze eine Leistung von 1,2 kW an, dann folgt nach dieser Rechnung ein Energiebedarf für das WZ:
Q = 1,2 kW x 7 Std./Tag x 180 Heiztage = 1512 kWh
Frage: Wieso nur 7 Stunden pro Tag? Wenn das Zimmer eine Heizleistung von 1,2 kW braucht, dann doch 24 Std. am Tag – wenn ich mal von der Nachtabsenkung absehe, oder? Wenn es nur 7 Stunden am Tag „ein“ ist, dann betrüge die durchschnittliche Heizleistung doch nur 350 W. Wo ist da der Haken?
Oder ist die Erklärung folgende: Die Leistung von 1,2 kW ist nur für die kälteste Zeit im Januar/Februar nötig, wo die Außentemperatur durchschnittlich bei -3,5 °C lieg? Im Winterdurchschnitt wird eine viel kleinere Leistung gebraucht.
Grüße aus dem kalten, aber sonnigen Berlin
Macalberto
Geändert von Macalberto (09.10.2011 um 15:15 Uhr)
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